ULEI · 780
Lirone da Braccio
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© © Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig, Foto: Marion Wenzel
Description
Die Konturen des Korpus zeigen ausgesprochene Violinform mit ungefähr halbkreisförmig abgerundeten Ober- und Unterbacken und ausgebildeten länglichen Mittelbügeln mit scharf hervortretenden Ecken; nur die hohlkehlartig ausgestochenen Zargen; ein kleiner Einschnitt in der Mitte der unteren Zargen sowie Bezug und Wirbelkasten sind noch spezifische Charakteristika der Lira da braccio. Der schon gewölbte Boden weist einen trefflichen Amati-ähnlichen rötlichgelben Lack auf und ist aus zwei Stricken geflammten Ahornholzes zusammengesetzt; jedoch sind die beiden Holzteile vom Erbauer offenbar unrichtig "gestürzt", d. h. beim Zusammensetzen ist die rechte Hälfte des Bodens verkehrt gewendet, so dass die Flammen, die mit denen der linken Holzhälfte eigentlich in der Fuge zusammentreffen müssten, sich jetzt am Rande befinden. Die Zargen bestehen nicht aus einem Spane, sondern sind hohlkehlartig ausgestochen, d.h. nach innen gewölbt, wodurch die Ränder scharf hervortreten. Ebenso wie der Boden ist die gewölbte Decke zweiteilig und an den Rändern mit Ahornäderchen (sog. "Flödeln") eingelegt. Die beiden f-Löcher sind von eigenartiger früher Form ohne die von den Cremoneser Meistern eingeführten mittleren Einschnitte. Saitenhalter, Hals, Griffbrett und Wirbelkasten sind nach dem Vorbild des auf dem Gemälde "Musizierende Frauen" von Tintoretto erkennbaren Instruments ergänzt. Der Bezug besteht ebenfalls aus 2 Bordun- und 5 Griffbrettsaiten. Über die Stimmung des "Lirone da braccio" lassen sich keine authentischen Angaben machen, jedenfalls muss sie aber entsprechend der größeren Mensur des Instruments tiefer als bei der gewöhnlichen Lira da braccio gewesen sein, und zwar, da ein Vergleich mit der von Praetorius ("Sciagraphia", tab. XX No. 5) abgebildeten gewöhnlichen "Lyra da bracio" eine proportionale Differenz von annähernd 4:5 ergibt, um eine große Terz tiefer, so dass als (absolute) Stimmung angenommen werden kann. Die Anlage des Wirbelkastens ist bei allen Lyren die gleiche: die Griffbrettsaiten laufen durch ebenso viele dicht über den Sattel gebohrte kleine Löcher nach der ausgehöhlten Rückseite des Wirbelkastens zu den in die Vorderseite des Kastens aufrechtstehend eingelassenen Wirbeln, während die auf dem gemeinsamen Steg liegenden beiden Bordunsaiten durch zwei in die linke Seitenwand des Wirbelkastens gebohrte Löcher mit ihren Wirbeln in Verbindung stehen; die tiefere Bordunsaite läuft über einen kleinen aus dem Wirbelkasten herausragenden elfenbeinernen Sattel.
Literature references
Georg Kinsky: Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln, Bd. 2, Köln 1912, S. 415-416.
Measurements
Gesamtlänge: 92 cm