ULEI · 360
Harmonichord
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© © Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig
Description
Von Johann Friedrich Kaufmann in Dresden erbaut; eine Signierung ist nicht vorhanden. Aus den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das Gehäuse des im Äußern einem Giraffenflügel ähnlichen, schmucklos ausgestatteten Instruments ist aus Kirschbaumholz. Die Füllung des als Tür eingerichteten Oberrahmens und der als Notenpult dienende Deckel über dem Zylinder sind mit bedrucktem Möbelstoff bespannt. Die Klaviatur wird durch einen abnehmbaren gewölbten Deckel geschlossen. Den Unterbau bilden zwei Schränkchen, von denen das rechte zum Aufbewahren von Musikalien benutzbar ist, während sich in dem linken das Schwungrad für den Zylinder befindet. Die innere Einrichtung des Harmonichords ist im 50. Jahrgang der "Allg. Musik. Zeitung" (1848, Nr. 28 und 29) folgendermaßen beschrieben: "Ein System von Metallsaiten, eine für jeden Ton, auf einem Resonanzboden, in der Weise wie bei einem aufrechtstehenden Flügel vertikal angebracht, bildet den klanggebenden Theil des Instrumentes. Nach ihrem unteren Ende zu ist jede Saite an geeigneter Stelle mit einem hölzernen horizontalliegenden Stäbchen dergestalt versehen, daß in das eingekerbte Ende desselben die Saite sich fest eingeklemmt befindet, während das andere Ende leicht auf einer Unterlage ruht, wobei eine einfache Vorrichtung dem etwaigen Rücken oder Verschieben desselben begegnet. Jedes dieser Stäbchen bildet eine wirkliche materielle Verlängerung des Angriffs- oder Anschlagspunktes der Saite; es ist eine Art Auswuchs derselben, so zu sagen ein Fühlhorn, welches sie ausstreckt, um durch dasselbe die Eindrücke eines fortgesetzten Stoßes, der Reibung also, auf sich selbst übertragen zu lassen. Dies aber geschieht folgendermaßen: Während ein mittelst Fußtrittes und Schwungrades in gleichmäßige Bewegung versetzter, horizontal über dem Systeme der Stäbchen und in ganz geringer Entfernung von diesen angebrachter [mit Wildleder bekleideter hölzerner] Cylinder (eigentlich ein abgestumpfter Kegel, dessen stärkere Dimensionen den Baßtönen, die schwächeren dem Diskante dienen) fortwährend rotirt, drückt der Spieler vermöge der Klaviatur die Stäbchen von ihrer Unterlage etwas in die Höhe, wodurch sie mit dem Cylinder in tangentiale Berührung kommen, der nun auf jedem der angedrückten Stäbchen eine dem Bogenstriche bei den Geigeninstrumenten gleichkommende Reibung verursacht." Durch die auf diese Weise entstehende Friktion geraten die Stäbchen in Erschütterung, die sich den mit ihnen verbundenen Saiten mitteilt und sie in Längsschwingungen versetzt. Die Saiten sind mit einer sehr sinnreich ausgedachten Schraubenstimmvorrichtung versehen, deren ausführliche Beschreibung Sp. 469 - 470 des soeben zitierten Jahrgangs der "Allgem. Musik. Zeitung" enthält. Unter den einzelnen Holzstäbchen liegen auf einer gemeinsamen Leiste aufgeschraubte metallene Federn, die an ihrem Ende mit Wildleder bezogen sind und als Dämpfer dienen; sie können mittels eines als Fortezug wirkenden Kniedrückers, der zur rechten Seite angebracht ist, von den Stäbchen abgerückt werden. Umfang der (ziemlich eng mensurierten) Klaviatur: C - f3 (vier Oktaven und Quarte). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. Kaufmann baute nur ein Exemplar, vorliegendes Instrument wurde von einem Gehilfen unvollendet nachgeahmt.
Literature references
Georg Kinsky: Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln, Bd. 1, Köln 1910, S. 403-404.
Measurements
Höhe: 2,44 m, Breite: 86 cm, Tiefe: 54 cm